Slackline: Körperspannung einfach trainieren

Beim Slacklining balanciert man über ein gespanntes Band.

Beim Slacklining balanciert man über ein gespanntes Band.

Slacklining trainiert die gesamte stabilisierende Muskulatur des Körpers, schult die Konzentrationsfähigkeit und kann orthopädischen Schäden.

Wer im Sommer öfters mal durch den Park geht, wird sie sicher schon mal gesehen haben. Sie werden zwischen zwei Bäumen gespannt und erinnern optisch an bunte Absperrbänder. Die Rede ist von Slacklines. Das Slacken, wie das Laufen auf einer Slackline genannt wird, ist besonders bei jungen Menschen ein sehr beliebter Sport.

Slackline – Das schlaffe Band

Eine Slackline ist ein Band, das zwischen zwei Gegenständen, beispielsweise Bäumen, gespannt wird, um darauf zu balancieren. Vom Grundprinzip her ähnelt das Slacken, auch Slacklining genannt, dem Seiltanz: Ein Mensch versucht ohne herunterzufallen über eine gespanntes Seil zu laufen. In der Ausführung sind die beiden Sportarten aber doch verschieden. Seiltänzer laufen über ein sehr straff gespanntes (Draht-)Seil und vollführen dabei akrobatische Kunststücke.

Auch beim Slacklining werden Kunststücke ausgeführt, der Fokus liegt aber beim Balancieren auf der Line. Wichtigster Unterschied zwischen Tanzseil und Slackline ist die Spannung. Eine Slackline ist, wie das im Namen enthaltene englische Wort „slack“ für „lose, schlaff, entspannt“  bereits sagt, nur verhältnismäßig leicht gespannt und besitzt dadurch eine hohe Eigendynamik. Die Herausforderung für den Slackliner besteht darin, die Schwingungen der Line abzufedern und durch gezielte Körperbewegungen auszugleichen.

Der Trainingseffekt
Beim Slacken steht der ganze Körper unter Spannung.

Beim Slacken steht der ganze Körper unter Spannung.

Das Slacken ist ein wahres Rundumtraining. Beim Balancieren auf dem Band werden nicht nur fast alle Muskeln des Körpers gleichzeitig beansprucht, sondern auch intensiv Gleichgewichtssinn und Konzentration geschult. Dafür bedarf es keiner großen Muskeln oder viel Kraft – alles was zählt ist Körperspannung.

Was so leicht aussieht, bringt einen schnell ins Schwitzen. Eine Slackline steht in keinem Moment still. Sie ist jederzeit in Bewegung und nur eine winzige, falsche Bewegung kann einen aus der Balance bringen. Die größte Beanspruchung dabei erfahren Fuß-, Bein-, Gesäß- sowie die gesamte Rumpfmuskulatur.

Regelmäßiges Slacken fördert so eine gesunde und aufrechte Körperhaltung und kräftigt die Fuß- und Unterschenkelmuskulatur, die die Sprunggelenke sichern und die Fußgewölbe aufrecht halten. Das Risiko von Supinationstraumen (Umknicken mit Bänderriss/-dehnung), Knick-Senkfüßen sowie Knie-, Hüft- und Rückenbeschwerden als Folge von muskulären Disbalancen kann so stark reduziert werden.

Eine Slackline ist also nicht nur eine gute „Trockenübung“ für Klettere, Skater und Surfer, sondern auch ein idealer Ausgleich zum Bürojob. Und wer denkt, der Oberkörper würde aus dem Training völlig herausfallen, der wird sich wundern wie schnell Schultern und Arme anfangen zu brennen.

Wer hat es erfunden?

Das Slacken entstammt der Kletterszene. Klettern erfordert ein hohes Maß an Körperbeherrschung, weshalb Kletterer stets bemüht sind, Balance, Körperspannung und Konzentrationsfähigkeit zu schulen. Beim Klettern am Fels geschieht dies automatisch.  Abseits der Wände balancierten Kletterer als Training immer schon auf Baumstämmen, Geländern, Absperrbändern und ähnlichem. In den 1960er Jahren verbreitete sich dann der Trend, auch die eigene Kletterausrüstung zum Balancieren zu nutzen, sprich: die Seile zu spannen und darüber zu laufen. Vor zirka 30 Jahren schließlich begann man, nicht mehr nur Kletterseile zu entfremden, sondern Bänder speziell zum Balancieren herzustellen – die ersten Slacklines entstanden.

Slackline ist nicht gleich Slackline

  • Auf der Slackline sind auch akrobatische Tricks möglich.

    Auf der Slackline sind auch akrobatische Tricks möglich.

    Der Klassiker – Lowline / Trickline: Die Line ist in Knie bis Hüfthöhe über vorzugsweise weichem Untergrund (Rasen oder Sand) gespannt. Neben dem Balancieren werden auf ihr Tricks wie kleine Sprünge, Wenden oder Sitzen geübt. Die Lowline ist in der Regel nicht länger als 15 Meter und relativ straff gespannt. Der sichere Aufbau ist auch für Unerfahrene möglich.

  • Die Ausdauernde – Longline: Bei der Longline ist der Weg das Ziel. Auf den gern mal um die 100 Meter langen Lines geht es vor allem um Ausdauer und Konzentrationsfähigkeit. Da zum Spannen einer Longline extreme Kräfte nötig sind, erfordert der Aufbau besonders Equipment und viel Erfahrung. Bei Belastung hängt jede Slackline in der Mitte leicht durch: Desto länger die Line, desto tiefer hängt sie auch. Aus diesem Grund müssen Longlines mehrere Meter über dem Boden gespannt werden – das erhöht das Verletzungsrisiko bei einem Sturz. Longlines sind deshalb nur für erfahrene Slackliner geeignet.
  • Der Balanceakt – Rodeoline: Rodeolines sind kurz und werden im Gegensatz zu andern Slacklines kaum gespannt, sondern vielmehr nur an zwei Punkten sicher befestigt. Dadurch hängen sie leicht u-förmig herunter und sind extrem wackelig. Auch die Rodeoline muss  in mehreren Metern Höhe über dem Boden angebracht werden.
  • Der Nervenkitzel – Highline: Als Highline bezeichnet man Slacklines, die hoch über dem Boden gespannt sind – dies können „nur“ 5, aber auch locker über 100 Meter sein. Nach oben sind der Highline keine Grenzen gesetzt. Für den besonderen Kick spannen schwindelfreie Adrenalinjunkies ihre Lines gern mal zwischen Hochhäusern oder über Canyons. Je höher und atemberaubender die Aussicht, desto besser. Beim Balancieren auf einer Highline wird der Slacker durch Klettergurt und Seil vor dem Sturz in die Tiefe gesichert – einige Extremsportler verzichten allerdings auf diese Sicherung.
  • Die Nasse – Waterline: Als Waterline bezeichnet man eine über ein Gewässer (See, Fluss oder Pool) gespannte Slackline. Der bewegte Untergrund erschwert dem Slacker das balancieren, da optische Fixpunkte auf dem Boden fehlen. Die eigentliche Herausforderung einer Waterline liegt darin, trockenen Fußes die andere Seite zu erreichen. Gerade an heißen Sommertagen springen Slacker jedoch auch gern mal unterwegs ab und erfreuen sich am kühlen Nass. Weil ein Sturz ins Wasser normalerweise nicht weh tut, eignet sich die Waterline zudem ideal, um Sprünge und andere Kunststücke zu proben. Die Wassertiefe sollte hierfür aber mindestens die eigene Körpergröße betragen.

Die richtige Slackline für Anfänger

Zunächst solltest Du wissen: Je breiter, kürzer und fester gespannt die Slackline, desto einfacher lässt es sich auf ihr laufen. 

Anfänger- oder auch Basic-Sets sind ab zirka 50 Euro erhältlich und enthalten alles, was du für den Start brauchst:

  • Ein 10 – 15 Meter lange Slackline mit einer Breite von 50 mm  
  • Eine Ratsche zum einfachen Spannen der Slackline
  • Gebrauchsanweisung mit Aufbauanleitung 
  • Oftmals auch noch Baumschutz (wenn nicht: gratis Teppichreste besorgen)

Falls Du ambitioniert bist und direkt über den Kauf einer längeren Line nachdenkst: Jeder Meter mehr Slackline kostet auch mehr Geld. Für Longlines verwendet man außerdem schmale Bänder. Bei einem nur halb so breiten Band ist nämlich auch das Eigengewicht der Slackline nur halb so groß und sie bietet gleichzeitig dem Wind weniger Widerstand. Dadurch schwingt sie deutlich weniger als eine 50 mm breite Slackline gleicher länge. Um auf einer schmalen Line gut laufen zu können, erfordert es allerdings schon einiges an Können. Außerdem muss man für eine 30 oder gar 40 Meter lange Slackline auch erstmal den passenden Platz finden.

Wo kann ich slacken und was brauche in an Equipment?

Ausrüstung:
  • eine Slackline
  • Schlinge oder Haken zur Befestigung
  • Spanner (Flaschenzug oder Ratsche)
  • Baumschutz

Alternativ lassen sich Slacklines auch im Boden verankern. Dies ist allerdings etwas aufwendiger und vorwiegend für den stationären Gebrauch, etwa im eigenen Garten, geeignet.

Das musst Du beachten:
  • nicht über Gehwege, Straßen oder Spielfelder spannen
  • keine jungen Bäume oder solche, die auf lockerem Untergrund wie beispielsweise Sand wachsen, verwenden
  • nur Bäume mit einem Mindestdurchmesser von 30 cm nutzen
  • unbedingt einen Baumschutz verwenden und zur besseren Druckverteilung die Schlinge mehrmals leicht versetzt um den Baum wickeln
  • fremde Privat- und Firmengrundstücke sind tabu
  • keine Laternen oder Schilder verwenden, dicke Säulen oder Pfeiler sind in der Regel in Ordnung
Mit Hilfe einer Schlinge und einer Ratsche ist die Slackline schnell aufgebaut. Ganz wichtig: Baumschutz nicht vergessen!

Mit Hilfe einer Schlinge und einer Ratsche ist die Slackline schnell aufgebaut. Ganz wichtig: Baumschutz nicht vergessen!

Slacken darfst Du auf öffentlichen Flächen wie Parks fast überall, solange Du keinen Schaden anrichtest oder andere behinderst. Das heißt, Du spannst Deine Line nur dort auf, wo Du niemanden störst oder gefährdest (beispielsweise wenn Du von der Line springst oder fällst) und Du musst für den Schutz der Bäume sorgen – andernfalls gibt es Ärger mit dem Ordnungsamt. Baumschütze gibt es fertig zu kaufen und sind auch in vielen Starter-Sets bereits enthalten. Falls diese zu dünn sind oder Du gar keine besitzt, leg einfach Teppichreste zwischen Baum und Schlinge. Diese bekommst Du auf Nachfrage kostenlos bei Teppichhändlern oder Baumärkten. Du schonst den Baum zusätzlich, wenn Du nicht nur eine Schlinge um den Baum legst, sondern mehrere und diese in ihrer Position leicht versetzt. So zieht die Line nicht nur an einem Punkt des Stammes. Auch wenn manche Grundstücksbesitzer Slackliner dulden, solltest Du, um Ärger zu umgehen, Firmengrundstücke, Parkhäuser und andere Gebäude meiden, ebenso Laternen, Schilder und Gerüste.

Die ersten Schritte auf der Slackline

  • Eine 3-4 Meter lange Slackline auf Kniehöhe möglichst fest spannen, denn: je kürzer und fester die Line, desto weniger schwingt sie
  • Einen Fuß auf die Line stellen und diesen langsam belasten
  • Die Arme dabei auf Schulterhöhe anheben und zum Ausbalancieren nach rechts und links kippen

    Das Neigen der Arme hilft die Balance zu halten.

    Das Neigen der Arme hilft die Balance zu halten.

  • Sobald Du sicher auf einem Fuß stehst, den anderen Fuß aufsetzen und das Gewicht auf diesen verlagern → Beim Slacken steht man die meiste Zeit nur auf einem Bein. Das Balancieren ist ein Wechsel vom rechten und linken Einbeinstand. Wenn beide Füße voreinander stehen, ist die Hüfte blockiert und die Schwingungen der Line können nur noch schlecht ausgeglichen werden.
  • Für manche ist es leichter, aus der Mitte der Line zu starten und auf ein Ende zuzulaufen. Zum einen befindet sich der tiefste Punkt der Slackline in der Mitte (das erleichtert Dir den Aufstieg), zum anderen schwingt sie in der Mitte auch am stärksten. Wenn Du also von der Mitte zum Ende läufst, bietet Dir die Line bei jedem Schritt mehr Halt
  • Am Anfang ist es hilfreich, wenn jemand neben Dir hergeht und zur Stabilisierung leicht die Hand reicht. Falls Du niemanden dabei hast, kannst Du auch auf Schulterhöhe ein Seil parallel zur Slackline spannen und Dich an diesem festhalten

Beim Slacken steht man die meiste Zeit auf nur einem Bein.

Beim Slacken steht man die meiste Zeit auf nur einem Bein.

Kann ich das Slacken irgendwo ausprobieren beziehungsweise lernen?

Geslackt wird zwar oft in Gruppen, dennoch ist es ein Einzelsport, der keine besonderen Räumlichkeiten wie beispielsweise Tennis, Golf oder Fußball benötigt: Man geht einfach mit seiner Slackline in den nächsten Park und legt los. Aufgrund dieser Unabhängigkeit gibt es so gut wie keine Vereine, die ein organisiertes Training anbieten. Auf Videoplattformen im Internet finden sich aber ganz gute Tutorials für Basics und Tricks oder man fragt (fremde) Slackliner im Park um Rat. In größeren Städten finden auch vereinzelt Slackline-Workshops statt, zum Beispiel an der Kieler Universität. Auch für all diejenigen, die sich nicht direkt eine eigene Slackline kaufen möchten und keine Slackline-Besitzer im Bekanntenkreis haben, gibt es dennoch mehrere Möglichkeiten:

Hier kannst du Slacklines testen:
  • Ausleihen: Einige Händler und Online-Shops verleihen Slacklines (gegen Gebühr / Kaution)
  • Kletterhallen: Slacklines sind immer noch vorrangig in der Kletterszene zu finden. Deshalb bauen viele Kletterhallen über den Sommer Lines vor ihren Türen auf, die oft auch von Fremden (kostenlos oder gegen Gebühr) genutzt werden dürfen. Mehrere kostenlose Lines findest Du zum Beispiel vor dem Urban Apes in Lübeck.
  • Park: Gerade im Sommer sieht man in Parks oft Slacklines. Sprich die Besitzer einfach mal freundlich an und frag sie, ob Du es auch mal ausprobieren darfst. In der Regel sind Slackliner sehr offene Menschen, die Dich gern ausprobieren lassen und Tipps geben.

Du findest keinen Slacker? – Probier es in Uni-Nähe, viele Slacker sind Studenten. Ansonsten such auf Facebook regionale Slackline-Gruppen (Suchbegriff: Slackline + gesuchte Stadt) und frag in diesen gezielt nach.

Wo kauft man eine Slackline?

  • Online: Direkt beim Hersteller, Sport- und Outdoorshops oder Versandhäuser
  • Händler in Deiner Nähe: Viele Sport- und Outdoorgeschäfte (auf jeden Fall die, die auch Kletterausrüstung verkaufen) bieten Slacklines in ihrem Sortiment an, ebenso wie einige Spielzeugläden

Höhenflug KielIn Kiel ist Höhenflug in den Holtenauer Arkaden, Holtenauer Straße 35, zu empfehlen. Dort gibt es verschiedene Slacklines der Marken Gibbon und Slackstar. Außerdem verkauft und vermietet Höhenflug Landsegler von blokart und bietet ein großes Sortiment an (Lenk-)Drachen sowie schönem und ausgefallenem Kinderspielzeug.

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