Longboard – Das Surfbrett für den Asphalt

Das Longboard wird auch als das Surfbrett der Straßen bezeichnet.

Das Longboard wird auch als das Surfbrett der Straßen bezeichnet.

Im Sommer sieht man sie fast überall. Lässig gleiten sie über Straßen und Promenaden. Schlängeln sich gekonnt um jedes Hindernissen und vollführen dabei manchmal sogar noch eine elegante Drehung. Alles, was sie dafür brauchen ist ein langes Brett und vier Rollen. Die Rede ist von Longboardern.

Aber woher stammen diese, auf den ersten Blick, übergroßen Skateboards eigentlich und lassen sie sich wirklich so leicht fahren, wie es scheint?

Die Entwicklung des Longboards

Die Longboard-Szene scheint in den letzten Jahren stetig zu wachsen. Immer mehr Menschen finden Freude am sogenannten Streetsurfing. Dabei ist das Longboarden allerdings längst keine neue Erfindung oder gar eine Abwandlung des weitaus bekannteren Skateboards. Nein, ganz im Gegenteil: Genau genommen ist das Longboard sogar der große Bruder des Skateboards und das in mehrere Hinsicht.

Die Geburtsstunde des Longboards liegt in den 1960er Jahren. Vermutlich waren es kalifornische Surfer, die Rollen unter ihre Bretter schraubten, um auch an Land „surfen“ zu können, und so als Erste den Skatesport etablierten. Mit der Zeit wollte man aber nicht mehr nur Surfbretter umbauen, sondern eigene Boards, speziell für den optimalen Gebrauch auf der Straße, herstellen. Diese ersten Longboards wurden mit der Zeit immer kleiner und wendiger. So entstanden nach und nach die viele verschiedene Formen von Decks (so bezeichnet man das pure Brett, ohne Rollen und Achsen), die wir heute kennen, wie Dancer, Slalom, Downhill und Co. Jedes davon ist für eine bestimmte Stilrichtung des Longboardings konzipiert.

Zwar gab es in den folgenden Jahrzehnten immer Longboard-Fahrer, aber dennoch ist der Sport zeitweise sehr in den Hintergrund geraten. Nicht zuletzt durch den weitaus populäreren Ableger des Longboards, dem Skateboard. Während in den 1980er und 1990er Jahren Skater wie Tony Hawk und Rodney Mullen mit ihren spektakulären Tricks und waghalsigen Drehungen in gigantischen Halfpipes das Skateboard berühmt machten und einen wahren Boom auslösten, geriet das Longboard, mit dem ja „nur“ gefahren wird, zusehends in Vergessenheit.

Seine Zeit in der zweiten Reihe ist nun aber vorbei und das Longboard hat wieder seinen Platz auf vielen Straßen und Promenaden gefunden. Sind Skateboard-Neulinge fast ausschließlich Kinder und Jugendliche, entdecken das Longboard besonders viele Männer und Frauen zwischen 20 und 30 Jahren für sich und bahnen ihm so seinen Weg zum Trendsport. Wird das klassische Skaten schnell mit diversen Szenen und Männern, die einfach nicht erwachsen werden wollen, assoziiert, hat sich das Longboard dagegen zunehmend gesellschaftlich etabliert. Longboarder sind nicht mehr nur die „Surferboys“ mit Wuschelhaar und ausgefransten Shorts. Nein, mittlerweile sind es  auch immer mehr junge Lehrer, Banker und Hausfrauen, die nach Abwechslung zum Alltag und dem Gefühl von Freiheit suchen. Das Longboarden ist ein Sport für jedermann geworden. So rollen die Neo-Longboarder erst zögerlich mit kleinen Tippelschritten, dann immer schneller, dem Gefühl der unendlichen Freiheit entgegen – an den Küsten Lanzarotes, an der Hamburger Alster oder auf den Deichen Nordfrieslands. Überall, wo es Asphalt gibt, gibt es auch Longboarder. Man benötigt nicht mehr als ein Board und einen glatten Untergrund. Das macht den Sport vielseitig und für jedermann möglich.

Ihr besitzt bereits ein Board, aber braucht noch ein paar Tipps zum Fahren, Lenken, Bremsen und Co.?
Dann schaut Euch unser Longboard-Tutorial an:

Longboard fahren ist Sport

Wenn man die erfahrenen Longboarder so beobachtet, mit welcher Leichtigkeit sie ihre Boards auch bei hohen Geschwindigkeiten kontrollieren, denkt man schnell, dass Longboard fahren ganz einfach ist. Versucht man sich dann aber das erste mal selbst am Longboarden, stellt man schnell fest: Es ist gar nicht so leicht wie es aussieht. Um sich überhaupt erstmal sicher auf dem Board zu halten und die ersten Meter zu rollen, werden ausreichend Körperspannung und Gleichgewichtsinn benötigt. Richtig interessant wird es aber erst, sobald man das erste Mal versucht zu pushen, also sich mit dem Fuß vom Boden abstoßen, um Schwung zu holen. Wer sich bis dato noch als „Herr der Lage“ sah, kommt in der Regel spätestens jetzt ins Schwanken. Einen Fuß auf die Erde setzten und von selbiger abdrücken, derweil den anderen Fuß auf dem (wackeligen) Board stehen  zu lassen – das erfordert Koordination.

Bereits nach ein paar Runden merken Anfänger wie ihnen die Beine zittern. Sie gebrauchen  Muskeln, über deren Existenz sie sich bis zu jenem Zeitpunk vermutlich noch nicht mal bewusst waren. Aber keine Sorge, das mag jetzt schwer klingen, ist es aber überhaupt nicht. Die Grundzüge des Longboardens sind schnell gelernt und die ersten Erfolge stellen sich rasch ein.

Wer glaubt, er könne entspannen, sobald er das Fahren beherrscht, der täuscht sich jedoch gewaltig. Möchte man nämlich mal schneller als Schrittgeschwindigkeit fahren oder eine Steigung bewältigen, muss man auch ordentlich pushen. Spätestens dann brennen das erste Mal die Oberschenkel und man wird vermutlich auch den einen oder anderen Muskelkater davontragen. Von alldem bekommt man allerdings während des Fahrens nichts mit – der Rausch der Geschwindigkeit und das Gefühl der Leichtigkeit überwiegen einfach.

Longboarden schult so Gleichgewichtssinn und Koordination, trainiert stabilisierende Muskeln in Beinen, Rücken, Bauch und Rumpf und fordert Oberschenkel- und Gesäßmuskulatur – und das Beste daran ist: alles zur gleichen Zeit und ohne dass man es bewusst merkt. Man muss also nicht im stickigen Fitnessstudio von Gerät zu Gerät wandern, sich auf einer Yogamatte verbiegen oder auf einem Balanceboard hin und her wackeln, sondern kann draußen in der Sonne das Gefühl von Freiheit und Schwerelosigkeit genießen, während man geschickt über den Asphalt gleitet und sich dabei frische Luft um die Nase wehen lassen.

Übrigens: Longboarding ist ein sehr geselliger Sport. In vielen Städten gib es kleine Gruppen, die sich regelmäßig zum gemeinsamen Fahren treffen. Außerdem gibt es auch große Events wie zum Beispiel Greenskate, etwa in Hamburg, oder das Longboard-Festival auf Sylt.

Longboard ist nicht gleich Longboard

Longboard-Typen gibt es, wie bereits erwähnt, viele. Am häufigsten verbreitet sind allerdings die klassischen Cruiser, die kreativen Dancer und als Allroundtalente die Freerider.

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Ein Cruiser mit klassischer Pintail-Form.

Wer mit einem Cruiser unterwegs ist, bevorzugt die entspannteste Form des Longboardens. Als Cruisen bezeichnet man das lockere Herumfahren. Keine extremen Geschwindigkeiten, keine Tricks und Sprünge, keine engen Kurven. Cruising Boards sind meist etwa einen Meter lang und haben einen starken Flex (so bezeichnet man die Biegsamkeit des Decks). Dieser macht sie  unempfindlicher gegen Stöße und Unebenheiten des Bodens. Besonders beliebt bei den Cruisern ist die klassische Pintail-Form (vorn breit und nach hinten schmal zulaufend), die Surfbrettern sehr ähnelt.

Ein Carver mit Pintail-Form und Cutouts (Aussparungen im Bereich der Rollen).

Ein Carver mit Pintail-Form und Cutouts (Aussparungen im Bereich der Rollen).

Wer dem Surffeeling noch näher kommen möchte, wählt einen Carver. Carving Boards sind ebenfalls recht lang und besitzen einen straken Flex. Zum Teil sind sie sogar leicht nach oben gewölbt, was sie noch weicher und flexibler, aber auch langsamer macht. Geschwindigkeit ist allerdings auch nicht das, was beim Carving zählt, sondern das extreme Ausfahren von Kurven. Dafür muss der Skater sich mit in die Kurve legen und das Board dabei stark zur Seite neigen. Damit Deck und Rollen sich bei dieser Neigung nicht berühren (Wheelbite genannt) und es zu einem abruptem Abstoppen kommt, verfügen die Decks oft über Aussparungen, sogenannte Cutouts.

Bei einem Dancer geht es, wie der Name bereits sagt, ums Tanzen. Die Kunst liegt darin, während der Fahrt unterschiedliche Schrittfolgen auf dem Board zu absolvieren, welche einem Tanz ähneln. Die Form des Decks ähnelt der der Cruiser, allerdings ist der typische Dancer länger als ein Meter. Diese Länge lässt das Board ruhig auf der Straße liegen und bietet dem Fahrer ausreichend Platz zum Tanzen, allerdings erschwert sie auch die Lenkung.

Ein langer Dancer mit Twintip-Form.

Ein langer Dancer mit Twintip-Form.

Die Freerider sind die Vielseitigen, für alle, die sich nicht festlegen wollen. Sie sind wie die Cruiser auch zirka einen Meter lang, aber in der Regel mit einem Twin Tip Deck ausgestattet. Twin Tips sind komplett symmetrisch, das heißt sie haben an jeder Stelle eine konstant breite Trittfläche, was dem Fahrer einen sicheren Stand ermöglicht. Außerdem verfügen sie in der Regel nicht über Nose und Tail, sondern beide Enden sehen gleich aus, es gibt also kein „Hinten“ und „Vorn“ – das erleichtert das Sliden (also das Board quer zur Fahrtrichtung stellen und ein Stück in dieser Position zu Rutschen). Ein Freerider kann aber auch über gebogene Enden wie bei einem Skateboard, sogenannte Nose- und Tailkicks, verfügen, welche dem Fahrer das Durchführen verschiedener Tricks ermöglichen.

Bei einem Drop-Trough Board sind die Achsen in einer Aussparung des Decks montiert.

Bei einem Drop-Trough Board sind die Achsen in einer Aussparung des Decks montiert.

Freerider sind ebenso wie Downhillboards für höherer Geschwindigkeiten ausgelegt (beim Donwhill oft mehr als 100 Stundenkilometer). Die Decks verfügen deshalb nur über einen geringen Flex, um für mehr Standsicherheit zu sorgen. Dennoch beginnen die Achsen ab etwa 50 Stundenkilometer zu Schlingern (Wobbeln) und die Fahrt wird immer wackeliger. Um besagtes Wobbeln weitestgehend zu verhindern, wird der Schwerpunkt des Boards unter den Drehpunkt der Achsen verlegt. Dazu dienen zwei Aussparungen am Deck, in denen die Achsen montiert werden. Zudem ist häufig auch die Standfläche gegenüber den Enden des Boards abgesenkt. Diese Bauformen nennt man Drop-Trough beziehungsweise Drop-Down.

Die abgesenkte Standfläche eines Drop-Down Boards sorgt für mehr Stabilität beim Fahren.

Die abgesenkte Standfläche eines Drop-Down Boards sorgt für mehr Stabilität beim Fahren.


Wie finde ich das passende Board für mich?

Die richtige Form 

  • Welche Form ihr wählt, ist nicht nur eine Frage der Optik, sondern vielmehr eine des gewünschten Fahrstils. Wer sich noch unsicher ist oder einfach „ein bisschen von allem“ haben möchte, sollte einen Freerider-Deck mit Cutouts und Drop-Trough oder Drop-Down Form wählen.

Die richtige Länge

  • Prinzipiell gilt: je länger das Board, desto sicherer und ruhiger die Fahrt. Je kürzer, desto wendiger. Lange Boards verzeihen einem mehr Fehler, lassen sich gleichzeitig aber auch schwieriger lenken und benötigen mehr Platz für Kurven. Gleiches gilt übrigens auch für die Abstände der Achsen. Sind die Achsen wie bei Drop-Trough und Drop-Down Decks an den Enden montiert, besteht nicht mehr die Gefahr, den Körperschwerpunkt versehentlich vor die Achsen zu verlagern und ein Hochschnappen des Boards zu verursachen.

Der richtige Flex

  • Stärkerer Flex bedeutet mehr Fahrkomfort, aber auch weniger Geschwindigkeit. Ein biegsames Deck federt einen Großteil der Stöße beim Fahren ab und gibt Euch so eher das Gefühl, über den Asphalt zu schweben. Allerdings schluckt es auch viel Energie, was Euch langsamer macht. Für die richtige Stärke des Flex ist neben der bevorzugten Fahrweise auch Euer Körpergewicht entscheidend.

Die richtigen Lenkgummis

  • Die Gummis an den Achsen des Boards beeinflussen Fahrverhalten und Lenkung ganz entscheidend. Weichere Gummis erleichtern das Neigen des Boards und somit das Lenken, allerdings wird das Board auch empfindlicher für jede Bewegung und kippt schneller ungewollt. Anfänger sollten deshalb lieber auf etwas härtere Modelle zurückgreifen. Ganz entscheidend bei der Wahl der Lenkgummis ist aber auch wieder das Körpergewicht des Fahrers, denn ein Gummi, mit dem ein Kind kaum lenken kann, kann für einen 100 Kilogramm schweren Mann dagegen schon viel zu weich sein.

Für Anfänger empfiehlt sich ein großes Board (zirka ein Meter Länge) mit Drop-Down. Dies garantiert einen relativ sicheren Stand und verzeiht viele Fehler. Die Lenkgummis wählt man zu Beginn am besten recht hart und justiert später nach (ein Satz Lenkgummis kostet zirka 10 Euro). Auch für Kinder sollte man unbedingt darauf achten, kein zu kleines Board zu kaufen. Oftmals werden fälschlicher Weise die kleinen Mini-Cruiser gekauft. Diese zirka 60 Zentimeter lange handliche Version eines Longboards ist eigentlich nur für erfahrene Skater geeignet, da sie sehr empfindlich im Fahrstil ist.

Das beste und einfachste ist natürlich, Ihr kauft Euer Board bei einen Shop in Eurer Nähe. Dort bekommt Ihr in der Regel eine kompetente und ausführliche Beratung und Ihr könnt unterschiedliche Boards zur Probe fahren. So findet Ihr schnell das für Euch passende Board und vermeidet eine Fehlkauf übers Internet. Zusätzlich erhält man im Shop meist noch Tipps für den richtigen Start und hat einen Ansprechpartner, wenn mal etwas kaputt geht. Einige Shops bieten außerdem zum Boardkauf auch noch (gratis) Anfänger-Workshops an.

Natürlich war Fitte Nordlichter wieder im Norden unterwegs und hat für Euch ein paar coole Longboard-Shops besucht und an mehreren Einsteigerkursen teilgenommen. Mehr dazu erfahrt Ihr hier:

Subvert Skate School in Hamburg: Der aktive Turnierskater Volker Lux und Inhaber des Subvert Skate Store in Hamburg bietet in seiner Skate School diverse Kurse für Long- und Skateboarder an. Von den Basics für Anfänger bis zum Halfpipe fahren ist alles dabei.

The Green Room Project in Kiel: In diesem Longboard- und Surfshop dreht sich alles um den Schutz der Umwelt. Sämtliche Klamotten, Boards und Co. stammen aus möglichst ökologischer Produktion. Außerdem veranstalten die Jungs des Green Room regelmäßig kostenlose  Longboardtouren durch Kiel mit anschließendem gemeinsamen Grillen.

Studio Longboard in Hamburg: Ein vollausgestattetes Tonstudio und ein Longboardshop unter einem Dach. Neben dem Verkauf von diversen Boards und Zubehör stehen auch Anfängerworkshops in besonders kleinen Gruppen von maximal vier Teilnehmern auf dem Programm.

rOllspOrt Hamburg e.V. in Hamburg: Der Verein für Longboardbegeisterte in Hamburg und Umland. Neben regelmäßigen Treffen bietet der Verein eine Vielzahl von Workshops und Ausflügen an.

Solala Longboards in Hamburg: Solala Longboards ist ein in Niedersachsen gegründetes Longboardlabel, dass auf hanseatische Motive und gute Qualität zu fairen Preisen setzt.

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